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  #1 (permalink)  
Alt 08-11-2005, 14:21
Jimba
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Philosophische Betrachtungen eines Hurenbocks

Im März 2004 hatte ich mein erstes Erlebnis mit einer Professionellen. Es war in Hamburg auf dem Straßenstrich – und es war ein riesen Reinfall. Seitdem habe ich bis heute mit mehr als 100 verschiedenen Frauen geschlafen. Die meisten davon waren Huren oder sogenannte Hobbyhuren.

Immer wieder stelle ich mir die Frage, warum ich das tue. Ich bin verheiratet und mein Sexualleben mit meiner Frau lässt in Art, Umfang und Häufigkeit keinen Wunsch offen. Trotzdem zieht es mich immer wieder nach draußen.

Es gibt keine Phantasie mehr, die ich nicht in die Realität umgesetzt hätte. Abgesehen von Praktiken, die ich kategorisch ablehne, habe ich alles ausprobiert. Ob Herkunft, Rasse, Hautfarbe, Figur, Alter (zwischen 18 und 50), es war alles dabei. Vom Quickie in einem schmuddeligen Laufhaus, über 1-2 Stunden-Dates, Overnight bei mir oder im Hotel bis hin zum 1-wöchigen Escort auf einer Geschäftsreise war alles vertreten, inklusive einer ½-jährigen „festen“ Beziehung zu einer Hure.

GF6, Hardcore, Sex mit 2 oder mehreren Frauen, Transsexuelle, Bizarrerotik, SM, und Rollenspiele komplettieren die Sammlung. Es gibt nur wenig, was ich nicht ausprobiert habe, das liegt allerdings daran, dass es keinen Reiz für mich darstellt. Swingerclubs und Partys gehören dazu, ebenso NS und KV. Sex mit einem Mann ist für mich ausgeschlossen. Ich hatte in meiner Jugend mal zwei homosexuelle Erfahrungen und habe festgestellt, dass mir das nichts gibt. Transsexuelle sehe ich übrigens als Frauen. Dass sie einen Schwanz haben ist eben die dritte Dimension, die ab und zu durchaus sehr reizvoll sein kann und mir einen gewissen Kick verschafft.

Wenn ich heute ein (Zwischen-) Fazit ziehen sollte, haben alle Erlebnisse zusammengenommen mein sexuelles Bewusstsein enorm erweitert. Es gibt keine festen Regeln, keinen idealen Ablauf, keine Beschränkungen. Sex, ob gegen Bezahlung, mit einer Zufallsbekanntschaft am Abend in der Kneipe oder in einer Beziehung ist immer eine intime körperliche Begegnung zwischen zwei (oder mehreren) Menschen, die jeder Wünsche, Träume, Phantasien und Gefühle und Erwartungen haben. Je mehr diese Faktoren übereinstimmen, desto intensiver ist das Erlebnis.

Natürlich hatte ich nicht nur schöne Erlebnisse, insbesondere am Anfang meiner „Karriere“ als zahlender Gast im horizontalen Gewerbe habe ich viel Lehrgeld bezahlt. Es gibt Frauen, die ich definitiv nicht wiedertreffen möchte aber auch andere, mit denen ich mich immer wieder verabrede und mit denen fast so etwas wie eine freundschaftliche Beziehung existiert, die zumindest weit über das Faktum Sex gegen Bezahlung hinausgeht und von gegenseitigem Vertrauen und Respekt geprägt ist.

Ich habe gute und schlechte, lustige und traurige, gewöhnliche, ungewöhnliche und außergewöhnliche Stunden und Tage erlebt.

Sex ist die primitivste und doch zugleich schwierigste Art der vorwiegend nonverbalen Kommunikation zwischen zwei Menschen. Beide sind nackt, aber nicht nur im herkömmlichen Sinne. Es gibt nichts mehr zu verstecken, körperliche Unzulänglichkeiten liegen schonungslos offen, egal ob sie nur in der eigenen Wahrnehmung existieren, oder objektiv vorhanden sind. Zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn, es lässt sich nichts mehr durch Kleidung kaschieren. Der natürliche Schutzradius des Menschen ist aufgehoben. Sehen, hören, riechen, fühlen, schmecken, alle Sinnesorgane arbeiten auf Hochtouren und melden nicht immer nur angenehme Reize an das Gehirn zurück. Jede Berührung führt zu körperlichen Signalen, die durch die Ratio nicht oder nur sehr eingeschränkt steuerbar sind. Natürlich lässt auch Sex schauspielerische Fähigkeiten zu, aber eben nur begrenzt. Jeder, der schon mal das künstliche Gestöhne und Zucken einer Dame aus dem Gewerbe erleben durfte, das bereits bei der ersten Berührung oder sogar noch vorher wie vom Kassettenrekorder abgespielt einsetzt, weiß wie abtörnend das wirken kann. Aber auch Huren sind nur Menschen und bei aller Professionalität passiert es immer wieder, dass der berühmte Funke überspringt und das eigentlich zugrunde liegende Geschäft völlig in den Hintergrund treten lässt und auf einmal nur noch echte Lust und Geilheit die Herrschaft übernehmen.

Für mich ist Sex eine Art der Entspannung und dann gut, wenn sich das Gehirn völlig abschaltet und nur noch der Trieb die Regeln vorgibt. Dann unterscheidet sich der Mensch nicht mehr vom Tier, er ist nur noch vom Instinkt gesteuert, handelt natürlich und unverkrampft, frei von Tabus und Beschränkungen. Er denkt nicht mehr, er spürt nur noch und wenn beide gleichermaßen diesen Zustand erreichen ist das höchste Ziel der Sexualität, nämlich maximale Lust für mich erreicht.

Und diese Lust ist es auch die uns vom Tier unterscheidet. Tiere paaren sich, um Ihre Art zu erhalten, Lust spielt eine untergeordnete Rolle, der Fortpflanzungstrieb steht im Vordergrund. Manchmal habe ich den Eindruck, dass das bei vielen Menschen, insbesondere Männern, genauso ist. Sie definieren sexuelle Lust darin, dass sie ihre potentiellen Nachkommen in einen Gummi, auf den Rücken, auf den Arsch, auf den Bauch, auf die Titten, ins Gesicht oder idealerweise in den Mund der Partnerin spritzen. Wenn die das ganze dann auch noch schluckt, ist die Lust maximal. Und weil Mann dafür viel Geld bezahlt hat, erwartet Mann natürlich auch, dass sie das mit Freude tut, selbst dabei maximale Lust empfindet oder zumindest die Illusion erfolgreich vermittelt.

Auch bei mir läuft das in 90% der Fälle so ab. Verbunden mit etwas mehr oder etwas weniger Lust. Aber das sind nicht die Erlebnisse, die mich „unermüdlich“ antreiben. Oftmals wäre es im Nachhinein billiger und auch erotischer gewesen, wenn ich mir zu Hause allein einen runtergeholt hätte. Ich habe keine unausgelebten Phantasien mehr. Ich bin auch nicht der Sammler, der sich über die Zahl der sexuellen Kontakte zu verschiedenen Frauen definiert. Ich bin auch nicht der große Aufreißer. Anfangs bin ich eher schüchtern und zurückhaltend. Bei den klassischen One-Night-Stands haben meist die Frauen, mit denen ich geschlafen habe, die Initiative ergriffen. Ich bin auf der Suche nach dem „Kick“, nach dem Besonderen, nach dem Außergewöhnlichen. Jede 0815-Nummer ist nur ein Schritt in diese Richtung. Das hat nichts mit Gefühl zu tun, jedenfalls nichts mit Liebe. Ich liebe nur eine Frau, meine Frau und ich will auch nur von dieser Frau geliebt werden.

Ich suche das Neue, das Außergewöhnliche. Die Harmonie zwischen Körper und Kopf, den Moment, in dem ich mich völlig fallenlassen kann. Am stärksten ist das Erlebnis, wenn es mir gelingt ohne Samenerguß zum Höhepunkt zu kommen, ich nenne das für mich den „Kopf-Orgasmus“. Es gibt drei Frauen, mit denen ich das erlebt habe und es ist um ein vielfaches intensiver als der herkömmliche Geschlechtsakt.

Allerdings ist das für mich ein Moment der völligen Entblößung und Hilflosigkeit. Der Orgasmus geht durch den gesamten Körper, begleitet von unkontrollierter Muskelaktivität, d.h. mein ganzer Körper bebt und zittert, minutenlang. Die Ratio ist völlig ausgeschaltet, ich bin nicht mehr Herr meiner Gedanken. Ich will in dieser Zeit von der Frau einfach nur fest umarmt und gehalten werden und das unglaubliche Gefühl ausleben, bis dann die totale körperliche und geistige Entspannung einsetzt. Ich habe nie Drogen genommen und würde es auch nie tun, aber so stelle ich mir das Gefühl, den Flash vor, wenn bei einem Junkie das Heroin in den Blutkreislauf eintritt.

Doch genau diese Intensität erfordert absolutes Vertrauen, Harmonie und Verständnis zwischen den Beteiligten. Nicht Liebe, die sicher nicht schadet, aber keine Voraussetzung ist. Sondern vor allem die Fähigkeit neben den eigenen auch die Erregungstufen des Partners zu spüren und zu steuern. Der menschliche Körper ist es etwas wunderbares und die Kenntnis und/oder das Gespür für die erogensten Zonen des anderen – in der Regel sind das nicht unbedingt die primären und sekundären Geschlechtsorgane - und deren Stimulation können körperliche Reaktionen hervorrufen, die weit über das hinausgehen, was beim „klassischen“ Orgasmus empfunden wird. Je nach individueller Situation und Stimmungslage können das sowohl sehr zärtliche Berührungen sein, als auch das kontrollierte Zufügen von Schmerzen oder die langsame, gefühlvolle und in kleinen Schritten durchgeführte Steigerung vom einen zum anderen. Letzteres ist für mich persönlich das intensivste, erfordert aber sehr viel Zeit und unbedingtes gegenseitiges Vertrauen und ist daher im käuflichen Bereich der Liebe nur selten zu realisieren und deshalb weitestgehend den häuslichen Schlafzimmer vorbehalten.

Der Gewinn dieser Erkenntnisse ist es, was mir die sexuellen „Ausschweifungen“ und meine dauernde Rastlosigkeit seit meinem ersten Erlebnis gebracht haben. Und das Verständnis für Praktiken und Vorlieben, die ich früher für pervers gehalten habe. Ich muß sie ja nicht praktizieren, wenn sie mir persönlich nicht zusagen, aber ich habe kein Recht den „Kick“ anderer in Frage zu stellen, solange dabei niemand zu Schaden kommt oder zu Handlungen gezwungen oder genötigt wird, die er nicht vornehmen will.

Vielleicht haben die Buddhisten recht und es gibt so etwas wie Erleuchtung. Ich bin nicht religiös, aber vielleicht bin ich im übertragenen Sinn auf der Suche nach sexueller Erleuchtung. Vielleicht gibt es da noch etwas, von dem ich bislang keine Ahnung habe und das es wert wäre entdeckt zu werden.
Wer weiß?
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  #2 (permalink)  
Alt 08-11-2005, 14:51
Registered User
 
Registriert seit: Feb 2004
Beiträge: 121
Standard RESPEKT!

Wow,

toll geschrieben! Und wahr!!

Viele Grüsse

DrDunkel, der das alles auch so sieht....
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  #3 (permalink)  
Alt 08-11-2005, 22:21
Fury
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard ... eine idee weiter ...

die erleuchtung, ist umsoweiter weg, je mehr du danach suchst.

du kannst sie nicht geschehen machen,
nur geschehen lassen.

sie wird sich von selbst als solche zu erkennen geben.


ansonsten würde ich dich als hedonisten in reinkultur bezeichnen, ohne dabei eine wertung anfügen zu wollen.


für mich steht fest, das der beste sex
nur ganzheitlich sein kann.

wenn sich die beteiligten individuen mit ihren körperlichen elementen auf geistiger ebene im sex treffen, vereinen.
für diesen kleinen augenblick, für den man nicht mit sich alleine ist.
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  #4 (permalink)  
Alt 12-11-2005, 09:47
Benutzerbild von Nachtschwärmer
Registered User
 
Registriert seit: Jan 2004
Beiträge: 200
Standard

Jeder mal solchen Phasen. Das gibt sich wieder.
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Stichworte
betrachtungen, hurenbocks, philosophische

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