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  #1 (permalink)  
Alt 20-06-2004, 20:29
Benutzerbild von eddie
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Beiträge: 266
Cool BHV aus der Sicht der FAZ

FAZ – Bericht 20.6.04


Anbei ein Bericht der FAZ. Einige hier könnten sich ja als Feldforscher oder Lokalreporter bewerben.
Der Reporter der FAZ zeigt zwar gute Ansätze, aber als guter Fickbericht würden dem Artikel dann doch noch einige wesentlichen Informationen fehlen.

saludos eddie


Schon für 30 Euro kann es „gemütlich“ werden

Nachtclubs, Bordelle, Spielhallen und Armut auf der Straße. Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist für manche ein abstoßend, für viele ein faszinierend abgründiger Ort.

Von Werner Kurzlechner

Frankfurt. Josef trägt Portiersuniform, spricht mit Wiener Akzent und ist ein höflicher Mensch. So bittet er denn höflich, aber auch laut und sehr bestimmt, einzutreten. Eine junge Frau übernimmt und führt den Gast ins „Moulin Rouge“ an der Moselstraße, eine rustikale Schankwirtschaft mit viel dunklem Holz und speziellen Räumen weiter hinten. Dort geben es auch Jungs. Sagt die Frau.
Josefs Kollege ein Etablissement weiter ist nicht höflich, sondern zupackend. Er greift potentielle Freier am Oberarm, redet halb lockend, halb drohend auf sie ein und begreift partout nicht, wenn sie den Eintritt verweigern.

Silva bittet nicht höflich und packt nicht zu, sondern stellt sich den Kunden einfach in den Weg. Freitag abend im Bahnhofsviertel muß Silva Geld verdienen; das Geld der Männer, die nach Mitternacht über die Taunusstraße schlendern, schleichen und schlurfen. Silva geht mit ihnen ins „Alcazar“ und möchte einen ausgegeben haben. In Bier und ein „Kurzer“ für Silva kosten 24 Euro. Die Matrone hinterm Tresen stellt eine Flasche und ein hohes, hellblaues Glas hin. Wahrscheinlich ist Wasser drin. Silva trägt hautenge Hosen und ein graues T-Shirt. Um ihren Hals hängt eine Kette, an der ein silbernes Herz baumelt. Sie kommt aus Slowenien und hat einmal Romanistik studiert. Sie ist so alt, wie sie geschätzt wird, also 30. Ihr Studium hat sie wegen eines Kerls geschmissen. Der Typ ist längst über alle Berge, von ihm geblieben ist ein dreijähriger Sohn. Silva braucht für sich und ihn Geld, deshalb schafft sie an. Ihre Kunden führt sie von der Bar ins Separée, zu einer mit schwarzem Leder bezogenen Couch. Ein kleiner Tisch schluckt fast den ganzen Rest des Zimmers; oben in der Ecke laufen auf dem Fernseher Softporno-Clips. Silva wünscht sich jetzt einen Piccolo für 30 Euro. Wenn sie ihn bekommt, zieht sie ihr Leibchen aus , und es kann „gemütlich“ werden. Wer mehr will, muss 300 Euro für eine Flasche Champagner berappeln.

Südlich der Kaiserstraße ist das Viertel nachts fast ausgestorben. Hier und da stapft ein Grüppchen Jugendlicher auf dem Weg zur Disco vorbei; eine verhärmte Frau brüllt ihren Kumpel an, weil sie „Asche“ brauche; vereinzelt kauern Junkies in Hauseingängen und setzen sich einen Schuss. Am meisten Leben herrscht noch in einigen Döner-Lokalen mit Spielautomaten.
Nördlich der ehemaligen Prachtmeile köchelt das Allerlei aus Elend, Prostitution und Sucht nach erschwinglicher Lust auf Sparflamme. Eine Frau schläft auf dem Bürgersteig, eine dünne blaue Jacke dient ihr als Bettdecke. Vor dem Schaufenster eines Sexshops in der Elbestraße steht ein halbes Dutzend Süchtiger im Kreis beisammen und raucht Crack.

Der Nachtclub „Pik Dame“ zwei Häuser weiter ist dagegen eine kleine Oase. Wie im Alcazar kostet das Bier 5 Euro. Zusätzlich zahlen Gäste hier zwar noch 5 Euro Eintritt, dafür werden sie allerdings auch nicht gedrängt, teure Getränke zu bestellen. Vom längst verblassten Glanz des seit 40 Jahren bestehenden Lokals zeugen Zeitungsschnipsel und Fotos auf dem Weg zur Toilette. Die Kellnerin trauert diesen Zeiten nach. Noch vor zehn Jahren kamen Banker, Börsianer und viele amerikanische Soldaten. Auch Harald Juhnke war schon Gast, saß in den Nischen auf gepolsterten Sitzbänken unter roten Lampen und sah in die Augen der beiden Karusselpferde vor der Theke. Diese Nacht kommen fast keine Gäste. Zwei Amerikaner sind da, einer hat eine Baseballmütze verkehrt herum auf dem Kopf, der andere eine Nickelbrille im Gesicht. Ihren Job in einem Militärgefängnis mögen sie nicht besonders. Für mehr als ein Bier reicht ihr Budget nicht. Ohnehin dürfte die teuerste Flasche Champagner für 600 Euro selten bestellt werden. Ab und zu linsen die beiden zur Bühne. Zu der strippenden Akrobatin in High Heels, die ihren Körper um eine Stange wirbelt; zu der drallen Philippinin, die mit ein wenig Mühe ihren Slip über die Lackstiefel streift. Ansonsten schenken sie dem Geschehen keine Aufmerksamkeit.

Ein wenig belebter ist das „Tollhaus“ an der Elbestraße, wo die modernere Form des Tabledance geboten wird. Ein Dutzend spärlich bekleideter Mädchen tanzt lasziv auf einer Drehscheibe und einem von unten beleuchteten Laufsteg. Gäste können auf niedrigen Hockern direkt davor sitzen, bekommen immer wieder eine blanke Brust vor die Nase gehalten und dürfen „Dollars“ in den Slip stecken. Daniela tanzt seit 5 Jahren, giggelt nach jedem Satz und sagt ja, sie könne von dieser Arbeit leben. Katharina aus Stuttgart ist 20 Jahre alt, will nächstes Jahr Abitur machen und bessert sich in den Ferien ihr Taschengeld auf, indem sie japanische Touristen, Anzugträger und Jun ggesellenabschied feiernde Betrunkene betört. Ihre Klassenkameraden wissen nichts von ihrem Nebenjob; ihr Freund hat sich damit abgefunden, wollte selber aber noch nie zugucken. Ein Mann mit Goldkettchen ist sichtlich angetan, als sich Katharina an ihn schmiegt. Die 30 Euro für eine private Extrashow will er aber nicht zahlen.

Draußen trinken Unschlüssige, Ermattete und Gestrandete- oder essen Pizza. Auf dem Gehweg stapeln sich Pappschachteln und leere Dosen.

Im Treppenhaus der Nummer 44, hinter einer schmucken Fassade mit Schnörkeln und Jugendstilbalkonen, riecht es steril, nach Desinfektionsmitteln. In diesen Großbordellen läuft man zufrieden blickenden Muskelprotzen in ärmellosen Hemden, jugendlichen Cliquen und verschämt zu Boden blickenden Mitvierzigern über de Weg. Radiomusik begleitet den Gang in die immer gleichen Flure mit den Zimmern der Mädchen aus Chile, Venezuela und Afrika, die für 25 Euro alles versprechen. Sie lächeln ein zur Maske gefrorenes, professionelles Werbelächeln, bei offener Tür auf schwarzen Laken liegend oder am Fenster stehend. Völlig erschöpft rollt sich eine asiatische Prostituierte in eine Decke ein. Ihr Blick verrät totale Leere und Erschöpfung.

Die Nacht im Bahnhofsviertel geht zu Ende. Eine verlotterte alte Bettlerin ist mit einem amerikanischen Trio ins Gespräch gekommen. Sie fletscht ihre Zähne, entringt sich Sätze auf Englisch und biegt sich ihre Träume zur Realität zurecht. Arnold Schwarzenegger will sie gekannt haben. Einer der drei schenkt ihr eine Zigarette. Auf der anderen Straßenseite kippen ein Türsteher und eine Kellnerin einen Schnaps nach dem anderen. Sie bitten nicht höflich, sie packen nicht zu, sie verstellen nicht den Weg. Sie wollen mit Gleichgültigkeit überzeugen. Ob „im Blauen Engel oder am Arsch der Welt“, es sei doch völlig egal, wo man jetzt noch einen trinke.

2200 Einwohner, 1000 Prostituierte, 15 Großbordelle, 4000 Süchtige
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  #2 (permalink)  
Alt 21-06-2004, 01:14
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Registriert seit: Jan 2004
Beiträge: 393
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cool, dass der sich als puffgänger outet.
Und das auf Kosten der FAZ. Scheint doch eine sehr liberale zeitung zu sein.
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  #3 (permalink)  
Alt 21-06-2004, 01:42
Benutzerbild von Captn Hornblower
Don Perverso
 
Registriert seit: Jan 2004
Beiträge: 690
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Business as every weekend. Das ist das BHV.

Captn
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  #4 (permalink)  
Alt 21-06-2004, 04:01
Benutzerbild von latinalover
Registered User
 
Registriert seit: Jan 2004
Beiträge: 425
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Das BHV gerät mal wieder ins Visier der Medien...

latinalover, der auf die ZDF-Dokumentation im Juli gespannt ist!
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